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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Pfingsten ist Pflanzaktion Gottes. Er setzt mit seinem Heiligen Geist Menschen in gute Erde, er ermöglicht, dass sie aus dieser guten Erde Nahrung und Energie beziehen, Blüten und Früchte zur Ehre Gottes hervorbringen. Doch diese Pflanzaktion in Jesus Christus, der guten Erde, ist erst der Anfang. Es gibt keine Garantie, dass Christen immer in Jesus Christus verwurzelt bleiben. Wie bei dem Rhododendron vor dem Haus gibt es Feinde, die die Pflanzaktion bedrohen - Feinde von außen, aber auch Feinde von innen wie nagende Zweifel, Versuchungen, den Alltag, der abstumpfen lässt, oder handfeste Krisen. Diese Feinde können den einzelnen Christen attackieren oder eine ganze Gemeinde. Dass da, wo vor kurzem ein hoffnungsvolles, blühendes Gemeindeleben mit lebendigen Kleingruppen und einer Vielfalt von Gaben stand, nur noch ein vertrocknetes Gerippe von Gemeinde ohne Verbindung zum Wurzelgrund schief im Pflanzloch hängt. Paulus schrieb einen Brief an die Kolosser, obwohl er diese Gemeinde nicht persönlich kannte. Er hatte von ihr von ihrem Gründer Epaphroditus gehört, und seitdem stand die Gemeinde auf seiner Gebetsliste. Er betete darum, dass die Neupflanzung Gottes bewahrt blieb, sich keine wilden Tiere an ihren Wurzeln zu schaffen machten und sie weiter wachsen konnte. Der Brief sollte der Gemeinde helfen, ihre Wurzeln auszubauen, sie tiefer in Jesus Christus eindringen zu lassen und noch mehr von ihm zu lernen. Denn je stärker die Wurzeln sich entwickelten, je schwerer würde es sein, die Pflanzung aus dem Boden zu reißen. Wir können diesen Brief auch für uns lesen. Er enthält auch für uns wichtige Hinweise, wie Pfingsten nicht nur als Seifenblase zerplatzt, sondern dauerhaft Wachstum initiiert. Kolosser 2,6-7 Christus muss die Mitte bleiben. Gebt acht, dass euch niemand mit der leeren Vorspiegelung einfängt, euch die wahre Religion zu bringen. Das beruht doch alles auf Menschenlehren und hat nur mit den kosmischen Mächten zu tun, aber nicht mit Christus. In Christus verwurzelt zu sein bedeutet: Anbetung
Als ich in Rom den Petersdom betrat, wäre ich nie auf die Idee gekommen, in diesem prächtigen und voller Symbole und Hinweise auf Gottes Weg mit den Menschen gestalteten Gotteshaus meinen Staublappen auszupacken und anzufangen, die Skulpturen abzustauben (die es schon hier und da nötig gehabt hätten). Ich wäre auch nicht auf die Idee gekommen, nach Listen zu suchen, in die ich mich für irgendwelche Tätigkeiten eintragen konnte. Ich wollte auch keine Aufträge abholen, was ich in der nächsten Woche alles tun sollte. Ich betrat den Raum und staunte einfach, hörte Gesänge aus einer Seitenkapelle, las Inschriften und ließ es zu, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. So groß war Gott, dass Menschen ihm ein solches Gotteshaus bauten. So klein war ich, und trotzdem kannte mich Gott und ließ seinen Sohn an meiner Stelle sterben. Diese Anbetung inmitten von Menschengewühl war für mich eine ganz wichtige Erfahrung. Ich konnte leer vor Gott treten. Er wollte nichts anderes von mir, als dass ich ihn wahrnahm, ihn in seiner Autorität anerkannte und meinen eigenen Platz vor ihm fand. Traditionell beginnt jeder Gottesdienst nicht mit dem Vorspiel des oder der Organistin oder Musikgruppe, sondern mit Stille. Man betritt den Gottesdienstraum und hat ein paar Minuten Zeit, Gottes Gegenwart zu spüren, zu staunen, dass er jetzt in dieser Stunde da ist und sich zeigen will. In Neuenhain fehlt diese Stille meistens. Wir sind mit dem Begrüßen untereinander beschäftigt, was in einer lebendigen Gemeinde Sinn macht. Doch wenn wir nicht einfach in den Gottesdienst hineinpurzeln wollen, sondern uns Zeit gönnen, um über Gottes Gegenwart ganz persönlich zu staunen, dann lasst uns ein paar Minuten früher zum Gottesdienst kommen, um einander zu grüßen, und hier in diesem Raum still werden, um Gott zu begrüßen, der sich wieder neu um unsere Wurzeln kümmern will. Hören auf Gottes Stimme
Diese Frage ist entscheidend für unsere Wurzeln. Wer Gott nicht aus vollem Herzen vertrauen kann, wird seine Wurzeln auch in andere Richtungen ausstrecken. So taten es offensichtlich die Christen in Kolosäa. Sie interessierten sich für die kosmische Philosophie ihrer Umgebung, und manche waren wohl der Meinung, dass sie da auch wesentliche Lebenshilfe erfahren würden. Wie hören wir Gottes Stimme? Wie führt uns Jesus durch das Leben? Zuerst einmal hören wir Gottes Stimme nicht, indem wir spezielle Methoden anwenden. Immer wieder werden solche Methoden angepriesen. Manche meinen, sie bräuchten bestimmte Zeichen, dass Gott mit ihnen redet. In der Frühzeit Israels versuchte das der Richter Gideon. Er wollte immer noch ein Zeichen dafür sehen, dass Gott auch wirklich mit ihm redete. Doch dieses Verlangen nach Zeichen kann auch zutiefst Ausdruck von Misstrauen sein. Als Jesus aufgefordert wurde, Wunder zu tun, um seine göttliche Vollmacht zu beweisen, hat er dies strikt von sich gewiesen. Wer Jesus hat, braucht keine Zeichen. Manche lesen die Bibel wie ein Horoskop. Sie schlagen die Bibel mit einer speziellen Frage auf und erwarten, dass der zufällig aufgeschlagene Text die Antwort darauf ist. Auch die Verse, die in dem Andachtsbuch der Herrnhuter Brüdergemeinde für jeden Tag abgedruckt sind, können wie Orakel gelesen werden. So las ich am Geburtstag meiner Mutter vor ein paar Jahren einen Vers, der sinngemäß lautete: Du wirst viele Tränen weinen, aber ich, dein Herr, werde dich trösten. Das ganze Jahr verfolgte mich diese Aussage, und ich rechnete damit, dass jemand aus unserer Familie sterben würde. Doch nichts dergleichen geschah, meine Mutter überstand das Jahr sehr fröhlich und vergnügt. So, da bin ich mittlerweile überzeugt, sollten wir die Bibel nicht lesen. Andere meinen, die Stimme Gottes sei abzulesen an offenen und geschlossenen Türen. Sie bitten um Gottes Segen für ihren Weg und warten darauf, dass Gott ihrem gewählten Weg Steine in den Weg legt, wenn er falsch ist. An einer Stelle der Bibel begegnen uns offene und geschlossene Türen. Paulus war auf Missionsreise. Er wollte die Türkei bereisen. Doch überall traf er auf Hindernisse, die ihn vom Weg abhielten. Bis er schließlich im Traum einen Engel sah, der ihn nach Europa rief. Paulus gestaltete seine Reise in ständiger Rücksprache mit Jesus im Gebet. Er sagte nicht einfach: Segne meinen Weg! Sondern er ließ sich von Jesus so führen, wie Jesus es wollte. Er wartete auf Gottes Stimme, ehe er nach Europa ging, allein die geschlossenen Türen brachten ihn nicht nach Europa. Gottes Stimme zu hören, lässt sich nicht mit einer Strategie planen, sondern ist nur möglich, wenn wir in Gottes Nähe sind, uns einwurzeln in Jesus Christus, ihm ganz vertrauen. Die Liebesbeziehung wird gestört durch Entwurzelung, durch Entwöhnung und durch Sünde. Durch Entwurzelung, indem ich meine Wurzeln nach anderen Blumentöpfen ausstrecke. Ich denke an eine Bekannte, die mit Jesus anfing und sich so sehr wünschte, dass Jesus mit ihr redete, ihr Antwort auf ihren dringenden Kinderwunsch gab. Als die Antwort anders ausfiel, als sie sich das vorgestellt hatte, war das Thema Jesus nach und nach abgehakt. Sie las nicht mehr in der Bibel, sie nahm nicht mehr an unseren Gebetstreffen teil, sie wandte sich wieder ihrem vorigen Leben zu. Entwöhnung geschieht, wo Christen nach und nach das Fragen nach Gottes Stimme einstellen. Sie meinen, die Stimme Gottes gut zu kennen und werden "Gott-taub". Egal, was Gott zu ihnen sagt, sie überhören es wie ein Kind den Appell der Mutter "Putz dir die Schuhe ab, wenn du ins Haus kommst". Die Zeitgenossen Jesu, Pharisäer und Schriftgelehrte, werden so beschrieben. Ihre Liebesbeziehung zu Gott war erkaltet. Sie konnten Gott nicht mehr hören, als er ihnen Jesus schickte. Sie meinten, schon alles zu wissen, was sollte da Neues kommen? Doch auch offensichtliche Sünde kühlt die Liebesbeziehung zu Gott ab. Wer gegen Gottes Willen verstoßen hat, rennt normalerweise erstmal weg von Gott. Vielleicht ist das ja nicht nur ein Thema für Totschläger und Ehebrecher, sondern für uns alle. Wie hören wir nun
Gottes Stimme?
Gott redet durch das Gebet. In der Bibel spricht Gott immer zu Menschen, um ihnen einen Auftrag zu geben. Auch seine Erhörungen von Gebeten dienen dazu, Menschen auf die Spur seiner Mission zu schicken. Wir nehmen die Gebetserhörungen oft nur für unser privates Leben. Aber es geht nicht um meine Klassenarbeit, um meine Urlaubsreise und meine Heilung. Es geht darum, was ich für Gott tun kann mit einer guten Klassenarbeit, mit einer schönen Urlaubsreise, als Geheilte. Wie ich seine Liebe, die ich in der Erhörung erfahren habe, umsetzen und weitertragen kann. Wie sich mit Gottes Stimme neue Wege vor mir auftun. Gott redet durch Lebensumstände. Ich frage mich, welche Lebensumstände sich bei mir im letzten halben Jahr geändert haben. Und ich versuche herauszuhören, was Gott mir damit sagen will. Ist die Arbeitsumstellung ein Wink Gottes? Ist die Gehaltserhöhung ein Grund, mein Spendenkonto reichlicher zu füllen? Ist die veränderte Familiensituation Stimme Gottes, der mir nun Freiheiten ermöglicht, für ihn da zu sein? Wie können meine Lebensumstände fruchtbar für Jesus werden? Jesus redet durch andere Gläubige. Oft ist es anstrengend, mit anderen Christen auf die Stimme Gottes zu hören. Vielleicht bekommen Sie dann auch drei verschiedene Antworten, wie ein Bekannter von mir sie letzte Woche hörte und ganz verzweifelt war. Drei gute Freunde von ihm rieten ihm, genau entgegengesetzte Wege zu gehen. Was sollte er tun? Als er mich fragte, war ich versucht, ihm einen vierten Weg zu nennen, aber ich merkte schnell, warum er so verzweifelt war und seine Freunde so unermüdlich einen Weg nach dem anderen aufzeigten. Er wollte eigentlich gar keinen Weg gehen. Er wollte dort stehen bleiben, wo er sich gerade befand. Jeder neue Weg machte ihm Angst. Nicht die drei verschiedenen Wege waren sein Problem, sondern sich aufzumachen, Ja zum Aufbruch zu sagen. Als ihm das nach ein paar Tagen klar wurde, entschied er sich schnell und wusste auch sofort, auf welchem Weg Gott ihn haben will. In Jesus verwurzelt zu sein ist erstmal eine passive Angelegenheit. Wir müssen nichts tun, uns nicht abrackern, um starke Wurzeln zu bekommen. Wir werden eingeladen, zu staunen, anzubeten, uns beschenken zu lassen von Gottes Liebe. Wir werden eingeladen, Gottes Stimme vertrauen zu lernen und auf sie zu hören. Und wir werden als Glieder seiner Gemeinde angesprochen. Was er uns sagen will, hat immer auch eine Bedeutung für die Gemeinde. Als Antwort gibt uns Paulus
vor: Hört nicht auf zu danken für
das, was Gott euch geschenkt hat.
Cornelia
Trick
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