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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Mich hat dieses Bild vom
Fackellauf an unser Pfingstfest erinnert. Ursprungsort für uns Christen ist Jerusalem am Pfingsttag. Der Heilige Geist hatte das Feuer dort entzündet, das sich über die ganze Welt ausbreiten sollte. Jeder einzelne Christ ist seither Fackelträger des Heiligen Geistes und bringt ihn bis an die Enden der Erde. Überall, wo der Heilige Geist sich ausbreitet, entsteht Gottesfrieden, heilt die Beziehung von Gott und Menschen, fangen Leute an, nach Gottes Willen und in seiner Liebe zu leben. Das Ziel des Fackellaufs ist die Ewigkeit, wenn alle Christen beim Herrn sein werden, um dort mit ihm in Harmonie und Frieden zu leben. Noch sind wir nicht am Ziel, aber der Fackellauf dauert an, und wir dürfen auch heute daran teilnehmen, um möglichst viele Menschen in den Gottesfrieden einzubinden. Um dem Geheimnis des Heiligen Geistes auf die Spur zu kommen, können wir die Bibel lesen und die Geschehnisse am ersten Pfingsttag genau betrachten: Apostelgeschichte 2,1-13 Vor dem Pfingsttag hatten sich die Jünger in einer Wohnung in Jerusalem getroffen, um miteinander auf den verheißenen Geist zu warten. Sie beteten miteinander, sie regelten die Nachfolge des Judas und wählten Matthias als 12. Apostel hinzu. Sie bereiteten sich in aller Stille auf die große Wende durch den Heiligen Geist vor, um dann bereit für den Aufbruch zu sein. Sie brachen nicht in hektische Aktivitäten aus, um selbst aus eigenem Antrieb als Missionare in die Stadt zu gehen, sondern sie warteten auf Gottes Signal zum Aufbruch. Wann halten wir schon mal so still, dass Gottes Geist uns für ihn vorbereitet vorfindet? Ich ertappe mich schon bei meiner Gebetshaltung. Ich falte die Hände ineinander, als ob ich mich an mir selbst und meinen Wünschen, Plänen, Vorstellungen festhalten will. Ich lasse dem Heiligen Geist so gar keinen Raum, um in meinen Lebenskreis zu treten. Ich bin wie ein abgeschlossenes System. Und er muss wirklich hart arbeiten, um die Hände auseinander zu bringen, dass ich sie ihm hinhalte und ihn wirklich hineinlasse in mein Leben. Ich möchte von diesen aufgewühlten Jüngern lernen. Die hatten eigentlich Existenzdruck und hätten sich schleunigst nach einem neuen Job umschauen müssen. Stattdessen beteten sie und verließen sich darauf, dass der Heilige Geist sie als Missionare anstellen und auch für ihr Auskommen sorgen würde. Alles auf Hoffnung hin ohne Arbeitsvertrag. Ist das nicht die Einladung an Gottes Geist, die ich heute auch aussprechen kann? "Heiliger Geist, ich halte still und warte, bis du mir klar sagst, wo es als nächstes hingeht. Ich will nicht meine eigenen Pläne leben, sondern hören, was du mit mir vorhast. Schenke mir Geduld auf dem Weg." Am Pfingsttag gingen die Jünger wohl in eine Halle, die zum Tempelbezirk gehörte. Hier hörten sie den Heiligen Geist wie einen mächtigen Wind. Sie werden diese Sprache des Geistes verstanden haben, denn sie kannten die Heiligen Schriften. Sie wussten von Elia, der Gott wie einen sanften Wind hörte. Sie hatten mitbekommen, wie Jesus dem gelehrten Nikodemus das Wirken des Heiligen Geistes erklärte, der wie der Wind weht, wo er will. Sie werden in dem heftigen Wind Gottes Stimme erahnt haben, der in völliger Freiheit seinen Geist denen schenkt, die für ihn bereit sind. Auch die Ähnlichkeit des Geistes mit Feuer war den Jüngern vom Alten Testament her bekannt. Gott begegnete Mose in einem brennenden Dornbusch. Er ging dem Volk Israel in der Wüste in Gestalt einer Feuersäule voraus. Und Johannes der Täufer sagte von Jesus bei seiner Taufe, dass er einmal mit Feuer und Heiligem Geist taufen würde. So bekräftigte Jesus diese Aussage: "Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte." (Lukas 12,49). Dieses Feuer meint Gottes Geist, den Jesus gesandt hat, um sein Evangelium der Welt bekannt zu machen. So waren die Jünger vorbereitet auf das Pfingstereignis. Das Feuer des Heiligen Geistes kam auf jeden von ihnen persönlich. Sie wurden zu Geistträgern, die diesen Geist anderen weitergeben konnten und sollten. So ähnlich wie das olympische Feuer derzeit herumgereicht wird, so gilt das erst recht für Gottes Geist, der wie durch Fackeln bis ans Ende der Erde ausgeteilt werden soll. Der erste Pfingsttag hat für uns Bedeutung. Wie damals berührt Gott mit seinem Geist jeden und jede einzeln. Diese Berührung bewirkt Sicherheit, dass es Gott gibt und Jesus lebt. Und sie befreit zu einem neuen Leben - nicht mehr als Sklave von Mächten, die über mich bestimmen, sondern zu einem Leben für Jesus. Die erste Reaktion auf des Pfingstereignis war, dass die Jünger redeten. Martin Luther übersetzte dieses Reden mit Predigen. Er traf damit den Kern des Redens. Die Jünger waren durch den Geist verwandelt worden. Sie, die Fischer, Zöllner und einfachen Leute, wurden durch Gottes Geist zu Predigern. Sie gaben das wieder, was Gott in sie hineingelegt hatte. Sie wurden zu Botschaftern Gottes. Das ist der Maßstab für jede Predigt seither, dass der Prediger oder die Predigerin durch Gottes Geist angeleitet redet und das weitergibt, was Jesus ihm/ihr ins Herz und aufs Herz gelegt hat. So wird auch klar, dass Predigt immer aus dem Gebet entsteht, den offenen Händen, die sich Gott entgegenstrecken und auf seine Weisung warten. Es sind nicht nur die offenen Hände der Predigenden, sondern genauso die offenen Hände der Gemeinde, die sich die ganze Woche über in dem Gebet um Gottes Geist zusammenfindet, der ihr durch die Worte der Sonntagspredigt Orientierung und Weisung für die nächste Woche gibt. Predigende und Gemeinde sind gemeinsam Empfangende von Gottes Geist und bitten um sein Wort gerade auch für die, die Jesus noch nicht in ihrem Herzen haben und noch nicht an ihn glauben können. Die Jünger sind also nach dem Geistempfang nicht gleich als Missionare in die Weltmission aufgebrochen, sondern haben Gottes Wort verkündet, das auf einmal alle verstehen konnten, egal aus welchem Kulturkreis sie kamen, ob aus Asien, Europa oder Afrika. Der Heilige Geist ermöglichte ein Verstehen über alle menschlichen Grenzen hinweg. Gerade die Zuhörenden aus anderen Gebieten hörten die erste Predigt. Und ist es nicht heute genauso, dass gerade die das Evangelium hören, die gar nicht so im Mittelpunkt unseres Interesses liegen? Vor 10 Jahren haben wie hier in der Gemeinde begonnen, uns ganz bewusst Menschen außerhalb unserer Kirchenmauern zuzuwenden. Wir sahen die Zielgruppe Kinder und junge Familien und wollten sie einladen, in unsere Gemeinde zu kommen. Die ersten Monate blieb es aber bei dem Gebet und unseren Wünschen. Es kamen einfach keine Kinder und jungen Familien dazu. Doch es kamen andere, so auch eine alleinstehende alte Dame, die wir gar nicht als unsere Zielgruppe angesprochen hatten. Doch Gottes Geist rief sie und nicht die Jungen. Und dann wuchs 3 Jahre später der Jugendkreis von 3 auf 20 Personen. Auch Jugendliche hatten wir nicht als Zielgruppe formuliert. Aber es war offensichtlich die Zielgruppe des Heiligen Geistes. Vielleicht hätten sich die Jünger auch andere Zuhörer ausgesucht, die religiösen Führer, die Gleichgesinnten aus Galiläa, die Jugendfreunde. Aber der Heilige Geist suchte sich die, die er ansprechen wollte und öffnete damit die Tür zur Welt, hin nach Europa und Afrika. So öffnet der Heilige Geist auch hier die Tür zur Welt durch jeden Einzelnen, der durch diesen Geist zum Glauben kommt und vom Feuer angesteckt wird, um es weiterzureichen. Die Apostelgeschichte hält die Pfingstpredigt des Petrus fest. Wie er den Heilsweg Gottes ausführte und um seine jüdischen Brüder und Schwestern warb, dass sie Jesus als ihren Retter annahmen, bevor Gott Gericht halten wird. Als Reaktion darauf fragten viele: "Was sollen wir tun?" Petrus antwortete: "Kehrt um, tut Buße!" Der Weg muss in eine neue Richtung gehen. Für mich bedeutet diese Umkehr, dass ich stehen bleibe und zugebe, meinen eigenen Weg ohne Gottes Geist gegangen zu sein. Dass ich meine eigenen Wünsche, Pläne und Sicherheiten in Gottes Hand lege und ihm die Einzugsermächtigung über alle Konten meines Lebens ausstelle. Dass ich innerlich leer werde, damit er mich erfüllen kann. Dass der Geist Gottes und Jesu mich verwandelt auf der Wanderung meines Lebens und mich so gestaltet, dass ich für ihn Fackelträger sein kann. Vielleicht bedeutet Pfingsten, die Fackel wieder neu bewusst in die Hand zu nehmen und für ihn unterwegs zu sein, statt meine eigenen Wege zu gehen. Pfingsten feiern wir auch den Geburtstag der Kirche. Der Heilige Geist lässt uns nicht als Einzelkämpfer das Feuer weitergeben, sondern stellt uns in eine Gemeinschaft von Fackelträgern. Wer umkehrt und Gott alle Konten in die Hand gibt, wird in eine neue Gemeinschaft eingegliedert. Wir sind hier Gemeinde, weil wir den gemeinsamen Auftrag haben, Menschen für Christus zu gewinnen und ihnen das Feuer des Geistes weiterzureichen. Dazu brauchen wir Teamarbeit, Gebetsunterstützung und Fürbitte, alle Gaben des Geistes und viele unterschiedliche Menschen, die zu ganz verschiedenen Leuten Beziehungen haben. So wie die ersten Pfingsthörer aus allen Teilen der Welt kamen, so ist Gemeinde Multiplikatorin für die ganze Vielfalt von Menschen im Umfeld. Was uns zusammenhält, ist nicht unser Bildungsstand, unser gemeinsames Hobby oder unsere Wohnsituation, sondern allein Gottes Geist, seine Liebe und seine Berufung, seine Flamme, von der wir unser Feuer nehmen. Pfingsten ist Ermutigungsfest: Der Heilige Geist will uns erfüllen, unser inneres Feuer für Jesus entflammen und uns gewiss machen, dass Jesus uns liebt. Ihm dürfen wir uns anvertrauen und mit seiner Gemeinde unseren ganz persönlichen Auftrag leben. Cornelia
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