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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Lukas 1,26-38 In der Marienkapelle in Würzburg drückt ein Wandvries sehr gut aus, was hier geschehen ist. Ein Rohr läuft von Gottes Mund zu Marias Ohr. Ganz oben bei Gott beginnt die Weihnachtsgeschichte. Maria empfängt Gottes Wort durch ihr Ohr, sie ist Hörende. Eine Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert, beschattet Marias Ohr, und das Kind, das Gott Maria zuspricht, rutscht auf dem Rohr zu Maria. Der Künstler, der
dieses Kunstwerk im 13. Jahrhundert erschuf, brachte das Unvorstellbare
hier in ein fassbares Bild. Empfängnis durch den Heiligen Geist ist
kein biologischer Fortpflanzungsvorgang, sondern ein Geschehen zwischen
Himmel und Erde. Hier wird einfach festgestellt, dass dieses Kind von Gott
kommt. Es ist nicht ein himmlisches Geistwesen, sondern geschichtlich verortet
als Kind in einer konkreten Familie, unter den Bedingungen, unter denen
auch wir geboren sind.
Maria erschrickt vor den Worten, die sie vom Engel hört. Nicht der Engel selbst macht ihr Angst, sondern die Anrede: „Sei gegrüßt, du Begnadete. Der Herr ist mir dir!“ Hier wird das Thema angesprochen, das über dem Geschehen des Weihnachtsfestes steht: „Gnade“, denn Gottes Kommen in diese Welt und zu Maria ist eine Überraschung, bedeutet einen Neubeginn und geschieht ohne ihr Zutun. Auch wenn wir uns in der Adventszeit noch so mühen, ein schönes und harmonisches Weihnachtsfest vorzubereiten, ist es doch allein Gott, der es Weihnachten werden lässt. Er kommt mit seiner Liebe zu uns und rettet uns, das ist die Verheißung dieser Tage. Gnade ist ein alter, nicht mehr sehr häufig gebrauchter Begriff. Wenn wir von einem begnadeten Künstler sprechen, meinen wir, dass zu seinem Fleiß und seiner Technik noch etwas hinzukommt, das er nicht selbst aus sich hervorbringen kann. Ein Extra an Begabung und Talent, ein besonderer Pinselstrich, der dem Betrachter die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Als Vorbereitung auf das Gnadenfest Weihnachten ist es gut, diesem Begriff auf die Spur zu kommen. An dem Wort selbst gehe ich entlang und nehme die einzelnen Buchstaben als Brücke zum Verstehen. Gnade ist …
Gnade kann man nicht einklagen, man kann sie nicht verdienen, sie steht einem nicht zu. Es gibt keine Strategie, um Gnade zu bekommen, nur ein Hoffen darauf. Und das Geschenk der Gnade erfährt der, der schuldig geworden ist. Wäre die Parkscheibe noch nicht abgelaufen, hätte der Polizist nicht gnädig sein müssen. Es hätte kein Geschenk gegeben. Maria war nicht schuldig, hatte nicht falsch geparkt, aber sie war bedeutungslos. Eine junge Frau aus einer Kleinstadt in Israel, praktisch ein Teenager aus Wanne-Eickel. Diese junge Frau bekam das Geschenk, aus der Masse der Menschen herausgehoben zu werden. Sie wurde zur Nummer 1 bei Gott. Wie zeigt sich geschenkte Gnade bei mir? Jesus ist in die Welt gekommen, weil auch ich ihm wichtig bin. Er hat mich nicht ohne Grund ins Leben gerufen. Vielleicht sind da noch offene Rechnungen, die ich nicht bezahlen kann. Ich bin an Menschen, an Gott schuldig geworden, habe „falsche Töne gesungen“, die andere rausgebracht haben. Jesus bezahlt die offene Rechnung, die auf Gottes Konto noch aussteht. Dadurch bekomme ich Kraft, mich um die anderen Rechnungen zu kümmern. Gottes Konto gibt mir den Rückhalt. Neu beginnen kann ich durch
Gnade
Gnade bedeutet Neuanfang. Der Häftling der aufgrund eines Gnadengesuchs vorzeitig entlassen wird, bekommt als Abschiedsgruß auf den Weg: „Nutze die Chance und mach jetzt was aus deinem Leben!“ Der zerrissene Strafzettel soll mich nicht animieren, weiter falsch zu parken, sondern in Zukunft besser aufzupassen. Eine unvorhergesehene Heilung sagt der Geheilten: „Das Leben beginnt neu, du darfst nochmal Geburtstag feiern.“ Anerkennen müssen
wir das Geschenk
Können wir Jesus annehmen? Ihn gerade in die schwachen Stunden einladen, von ihm Überraschendes erwarten, den ersten Schritt ins Neuland an seiner Hand wagen? Maria führt uns exemplarisch
vor: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Sie lässt sich ein. Was sagt
Gott uns? Vielleicht ruft er uns seine Verheißung zu, die schon über
der Taufe gesprochen wurde:
Dranbleiben hilft
In der Weihnachtsgeschichte heißt es, dass sie die Verheißung in ihrem Herzen bewegte. Das tat sie offensichtlich viele Jahre, sie bewegte die Verheißung, hielt sie wach, hielt an ihr fest – trotzdem. Entwicklung ist Auswirkung
der Gnade
Durch einen kleinen Schlitz haben wir das Geschehen im Wohnzimmer von Maria verfolgt. Wir wurden selbst in diese Geschichte hineingezogen. Jesus brauchen wir nicht mehr auf die Welt bringen, das hat Maria schon getan. Aber Jesus möchte auch in unsere Ohren rutschen und in unser Leben kommen, überraschend, Neues bewirkend und ohne Vorleistungen unsererseits. Sind wir bereit dafür? Noch haben wir fast eine Woche Zeit bis Weihnachten, um uns die Ohren zu putzen. Cornelia
Trick
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