Perfekte Weihnachten
Gottesdienst am 24.12.2003

Lukas 2,1-20 - Jesu Geburt

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe;die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel [a ] die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Liebe Weihnachts-Gemeinde,
eine Umfrage in der Vorweihnachtszeit stellt Passanten die Frage "Was fällt Ihnen zu Weihnachten ein?"
Ein Schüler: "Endlich sind alle Klassenarbeiten geschrieben und ich habe frei!"
Eine Frau: "Kommt wieder viel zu früh, habe noch längst nicht alles erledigt."
Ein Mann: "Stress im Büro und zu Hause, sollte man abschaffen, viel zu anstrengend."
Eine Frau: "Leider habe ich keine Familie, wäre froh, wenn es schon rum wäre."
Ein Mann: "Schöne freie Tage, ich genieße die Ruhe und freue mich auf das gute Essen."
Ein Kind: "Ich finde Weihnachten voll cool, vor allem mit vielen Geschenken und Schnee."

So unterschiedlich kann der Zugang zu Weihnachten sein. Die einen freuen sich darauf und können die Festtage kaum erwarten, andere stöhnen und sind bis zum Heiligabend völlig verbraucht und abgekämpft. Manche finden das Fest auch überflüssig, sie finden, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen.

Wie sieht für uns ein perfektes Weihnachtsfest aus?

Unbedingt dazu gehört natürlich zarter Neuschnee auf Bäumen und Dächern. SchneelandschaftAuch nicht zuviel davon, dass alle Wege zur Kirche und zu den Verwandten noch ohne Probleme bewältigt werden können. Zu Weihnachten gehören auch glückliche Kinder, die unter dem Weihnachtsbaum zufrieden spielen und keinen Streit miteinander anfangen. Überhaupt sollten sich zum Fest des Friedens alle friedlich verhalten. Auch die Verwandten sollten das drei Tage im Jahr schaffen. Ein gutes Essen mit knusprigem Braten und einem erlesenen Wein gehört ebenfalls zu perfekten Weihnachten, vor allem sollte es allen schmecken. Auch an die Christvesper hat man Erwartungen. Sie soll allen Altersstufen und sonstigen unterschiedlichen Charakteren gerecht werden, an Gefühle der Kindheit erinnern, ein gewisses Kribbeln hervor rufen und so richtig auf die gemütliche Feier zu Hause vorbereiten.

Leider läuft es nicht immer so

Leider gibt es kein Weihnachtsgesetz, in dem verordnet ist, dass in dieser Zeit keiner an Grippe erkrankt, jedes Oberhemd und jeder Handschuh passen und gefallen, Abflüsse nicht verstopfen, Spülmaschinen nicht den Geist aufgeben, Babys nach Plan schlafen und vergnügt erwachen und es danach zwei Wochen Erholungs-Sonderurlaub bei vollem Lohnausgleich gibt.

Aus den Träumen von Weihnachten folgt häufig ein unsanftes Erwachen. Das Wetter spielt nicht mit, irgendjemand sagt etwas Unpassendes, Geschenke kamen nicht besonders gut an, die Kreditkarte Kreditkartenmault wegen der weihnachtlichen Belastung. Manche von uns fallen jetzt in ein Weihnachtsloch, weil der Stress von einer Minute zur anderen wegfällt. Andere leiden unter Beziehungsproblemen, die auch unter der Weihnachtsdecke weiter schwelen.

Das erste Weihnachtsfest vor 2000 Jahren war auch alles andere als perfekt

Es gab keine mit Lichterketten geschmückten Straßen und Häuser, keine Festgelage und keine Feiertage. In jeder Hinsicht ging es unfreundlich und unweihnachtlich zu. 

Eine Frau war im 9. Monat schwanger und musste sich einer langen Reise unterziehen. Sie war gezwungen, mit ihrem Mann beim Finanzamt ihres Geburtsortes vorstellig zu werden. Über alle Berge weit in den Süden ging die Reise. Dort angekommen musste sie sich mit ihrem Mann in die Schlange stellen, Formulare ausfüllen, Steuern bezahlen. Als die beiden ein Quartier für die Nacht suchten, stellten sie fest, dass sämtliche Hotels und Pensionen schon ausgebucht waren. Wo sollten sie die Nacht über bleiben? Schließlich wurde ihnen ein Stall angeboten, Ochsebesser als die Straße war er. In solch einer Umgebung sollte es Weihnachten werden. Als erste Gäste des Weihnachtskindes stellten sich Ochs und Esel an die Krippe. Die Bewohner Bethlehems ignorierten den Neubürger. Sie lebten ihren Alltagstrott weiter, als wäre nichts geschehen.

Und doch waren es perfekte Weihnachten

Die Hirten auf dem Feld wurden durch Jesus überrascht. Sie waren bis zu diesem Zeitpunkt immer auf der Verliererseite gewesen. Keiner wollte etwas mit Hirten zu tun haben. Aber für sie sang der Himmelschor die Weihnachtsbotschaft.

Fürchtet euch nicht! Sie waren wohl abgebrühte Männer, die sich so schnell vor nichts und niemandem fürchteten. Doch als Gottes Licht und Gegenwart sie umgab, sahen sie den Schatten und die Dunkelheit in ihrem Leben. Angst vor Gott war ihre natürliche Reaktion. Der Engel half ihnen aus dieser Angst heraus. Sie brauchten sich vor Gott nicht zu fürchten. Der Retter war geboren. Er gab ihnen die Chance, neu zu beginnen und Licht in ihre dunkelsten Ecken scheinen zu lassen. Sie hörten von Frieden, den Gott mit ihnen schließen wollte und sie spürten, dass dieser Friede Auswirkungen auf ihr Leben hatte. Ihnen wurde eine Perspektive für die Zukunft vor Augen gemalt. Friede mit Gott und Friede mit den Mitmenschen, dazu wollte ihnen der neugeborene Retter verhelfen. Sie ließen sich ein auf dieses Angebot und gingen zum Stall.

Ein perfektes Weihnachtsfest kann heute beginnen

Sind wir so viel anders als die Hirten damals? Sicher, nicht jeder gehört zu den Unterprivilegierten, nicht jede lebt von der Hand in den Mund und wird von anderen gemieden. Den meisten von uns geht es äußerlich prima.

Aber wie die Hirten auf dem Feld brauchen wir das Licht Gottes, das unsere dunklen Ecken ausleuchtet. Da ist Schuld, die uns drückt, eine Lüge, ein hartes Wort, Gedanken, die zu Unfrieden führen. Da sind Ängste vor der Zukunft, der Arbeitsplatz wackelt, die Schulden drücken, die Ehe kriselt. Nein, in diese Abgründe lassen wir keinen gucken. Aber wir werden nicht damit fertig. Wir können uns selbst nicht vergeben, geschweige denn andere dazu bringen, uns zu verzeihen. Wir können uns auch nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Da leuchtet die Weihnachtsbotschaft auf und ruft uns zu: Fürchte dich nicht und verstecke dich nicht vor Gott. Er will dich nicht abstrafen. Er will dich retten und dich zu einem Weihnachtsmenschen machen. Er möchte Frieden mit dir schließen und dir seine Kraft anbieten. Du kannst ihm deine Schuld und dein Versagen geben, er schultert es und vergibt es. Du kannst deine Ängste und deinen Frust bei ihm loswerden, er will dich wieder gewiss und sicher machen. Er zeigt dir einen neuen Anfang im Stall von Bethlehem.

Aber gehen wir dann auch los und setzen wir uns Jesus aus? Ich bewundere die Hirten, dass die wirklich losgegangen sind. Das ist ein schwerer Schritt, aus dem Gewohnten aufzubrechen und es zu wagen, dem Retter nahe zu kommen. Denn an der Krippe im Stall geschieht Entscheidendes. Die Verhaltensforscher nennen es heute "Bonding", eine lebenslange intensive Verbindung zwischen dem Neugeborenen und uns kann entstehen. Jesus wird immer mehr Raum in uns einnehmen. Er wird uns verändern, uns aus unserer Ichbezogenheit retten und uns dahin führen, ihm die erste Stelle im Leben einzuräumen und uns ihm hinzugeben.

Ein perfektes Weihnachten, das heißt für mich:

Gott ist in Jesus da. Er ist meine Rettung. Er befreit mich von Angst, Sorge und Schuld und schenkt mir inneren Frieden. Dieser Friede setzt sich fort in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen, sie werden vom Weihnachtslicht durchdrungen.

Ich möchte mit Jesus Zeit verbringen, singen, ihn loben und ihm danken, wie es die Hirten an der Krippe taten. Durch die Begegnung mit Jesus wurden sie zu Weihnachtsboten, die Gott lobten, ihm dankten und aller Welt von ihren Erlebnissen berichteten.

So will ich durch die Begegnung mit Jesus  zu einer Weihnachtsbotin werden, die Gott lobt und ihm dankt mit meinem ganzen Leben. Von ihm will ich den Menschen erzählen, die ich in diesen Tagen treffe. Da ist es dann wirklich egal ob es schneit oder regnet, die Geschenke passen oder die Weihnachtsgans allen schmeckt. Christ der Retter ist da, das macht Weihnachten perfekt!

Cornelia Trick


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