|
|
Eines Morgens wachte ich mit leichten Rückenschmerzen auf, ohne mir dabei etwas zu denken, denn nach dem Duschen waren sie wieder fort. Mit jeder Nacht jedoch wurden
diese Schmerzen immer häufiger und heftiger, so dass ein Schlafen
z.T. nur im Sitzen möglich war. Manchmal konnte ich die Nacht aufgrund
der Schmerzen nur mit angezogenen Knien und meinem Gesicht im Kissen überstehen.
Ein Orthopäde konnte nichts feststellen, sondern gab mir eine schmerzstillende
Spritze, mein Internist veranlasste eine Röntgenaufnahme sowie eine
Kernspintomographie, in denen nichts Beunruhigendes gefunden wurde. Trotz
allem gab es Atembeschwerden, die mir heftigst Sorgen bereiteten. Vier
Wochen später wurde eine erneute Röntgenaufnahme angeordnet.
Ich wollte im Anschluss unseren Sommerurlaub buchen, doch war die Diagnose
nach der Röntgenaufnahme sowie einer Computertomographie dermaßen
niederschmetternd, dass daran nicht mehr zu denken war: ich hatte - wieder
einmal - Krebs, dieses Mal war es ein Lymphdrüsenkrebs. Als ich auf
dem Heimweg war, wurde mir der Ernst meiner Situation immer deutlicher
bewusst; erneut schien alles ausweglos zu sein. Sehr verzweifelt fing ich
an, mit meinem Schicksal zu hadern, äußerst enttäuscht
und entsetzt, dass fünf Jahre nach überstandener Leukämie
und Knochenmarktransplantation alles von vorne beginnen sollte. Warum,
warum, warum...? Da es hierauf keine direkte Antwort gibt, wandte ich mich
an meinen Schöpfer, der mich schon einmal so wunderbar gerettet hat.
Recht niedergeschlagen und mutlos begann ich mein Gebet, doch wurde ich
zunehmend ruhiger und zuversichtlicher, je länger es dauerte. Fast
erleichtert und dankbar konnte ich "Amen" sagen, denn ich wusste mich in
allerbesten Händen, auch wenn schwere Zeiten auf mich zukommen würden.
Es
folgten ein paar Wochen in der Klinik, in denen diagnostiziert, punktiert,
Blut abgenommen und Chemotherapie verabreicht wurden. Häufig gab es
schmerzhafte, äußerst unangenehme oder verzweifelte Momente,
doch wenn ich daran dachte, dass das Kreuz, das ich tragen sollte, doch
um einiges leichter war als das, das unser Herr Jesus tragen musste, ertrug
ich alles viel leichter. Mit großer Zuversicht ließ ich mich
behandeln, wusste ich doch, dass die Behandlungsmethode (ob Schulmedizin
oder alternative Heilmethode) letztendlich egal war, denn wenn man Gott
hinter bzw. neben sich spürt, wenn Er seinen Segen gibt, wird alles
gut.
Dass ich nicht allein war in dieser Zeit, konnte ich außerdem erfahren. Zum einen war meine Frau meine ständige, alle meine Sorgen mittragende Begleiterin in dieser beschwerlichen Zeit. Zum anderen erkundigten sich viele Verwandte, Freunde und Bekannte nach mir und sprachen mir Mut zu. Gestärkt und gestützt durch ihre Fürbitten setzte ich meinen Weg fort. Drei Monate später hatte ich die erste Zwischenuntersuchung - das Knochenmark war ganz frei von bösartigen Zellen, auch in den inneren Organen war nur noch minimal etwas zu erahnen. Voller Dankbarkeit und Freude konnte ich dieses Mal vor unseren Herrn treten und Ihn weiterhin um seinen Schutz bitten. Die darauffolgenden Behandlungen verliefen weitestgehend schmerzfrei und ohne größere Nebenwirkungen. Als es dann hieß "die Therapie ist beendet, Sie sind geheilt", war ich zunächst sprachlos. Zu der langsam aufkommenden Freude gesellten sich jedoch auch tiefe Dankbarkeit, Ehrfurcht und die Gewissheit, dass ich es ohne die gütige Hilfe unseres Herrn Jesus nicht geschafft hätte, dass mit Ihm als Begleiter manche Hürde überwunden werden kann. Die Fügungen Gottes sind nicht immer verständlich, schon gar nicht vorhersehbar, und nicht immer sind wir mit dem einverstanden, was uns "zugemutet" wird, doch stets war es mein Konfirmationsspruch, der mich die ganze Zeit hindurch begleitete und mir in mancher Situation innere Ruhe und Frieden gab: "Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden." Michael Zöllner
|