| Weg
zur Entwicklung von Grundüberzeugungen - am Beispiel der Gemeinde
Neuenhain/Ts.
Durch
die Umstrukturierungen der Gemeinden in Frankfurt wurde bald klar, dass
die Gemeinde Neuenhain/Ts. ein selbständiger Bezirk werden sollte.
Das eröffnete die Chance, neu nach dem spezifischen Auftrag der Gemeinde
in ihrem Umfeld zu fragen. Ein erster Schritt in diese Richtung war ein
Gemeinde-Wochenend-Seminar zum Thema "Gemeinde im Aufbruch" (3/98). Wir
dachten über unsere Leitbilder für Gemeinde und ihre biblische
Verankerung nach. Daran schlossen sich Bibelabende zu Exodus an, bei denen
der Weg einer Gemeinde mit dem Volk Israel exemplarisch nachvollzogen wurde
(4/98-6/98). Nachdem im Sommer die Bezirkstrennung von der Gemeinde Ebenezer
vollzogen wurde, starteten wir mit einer konkreten Phase der Zielfindung
für die Gemeinde.
In den Predigten thematisierten wir die Frage
nach dem Selbstverständnis unserer Gemeinde. Wir entdeckten in der
Apostelgeschichte und den Briefen viele Hinweise auf zielorientierten Gemeindeaufbau.
An drei Abenden entwickelte Hartmut Kraft mit der Gemeinde eine erste Vorlage
für Grundüberzeugungen. In dieser Phase kam es zu kritischen
Gruppenprozessen, nicht alle ließen sich leicht auf das neue Thema
ein, Begriffe mussten geklärt werden und bis hin zu seelsorgerlichen
Gesprächen rangen wir an dem Kern unseres Glaubens und unserer Auffassung
von Gemeinde miteinander. An die "offenen Abende" mit ca. 25 Personen schlossen
sich Abende einer kleineren Gruppe an, die nun aus den groben Thesen konkrete
Formulierungen entwickelte. Die Gruppe wurde im Lauf der Zeit größer.
Das war für die inhaltliche Gestaltung wichtig und führte auch
dazu, dass die Grundüberzeugungen eine breitere Basis in der Gemeinde
hatten. Während dieser Monate (10/98 - 2/99) fanden mehrere Gemeindeversammlungen
statt, die über die inhaltliche Entwicklung informierten. Dort war
Gelegenheit, in den Prozess einzugreifen, Rückfragen zu stellen und
Veränderungswünsche zu formulieren. Am 7.2.99 schließlich
wurden die Grundüberzeugungen
von der Gemeindeversammlung verabschiedet.
Seitdem bilden die Grundüberzeugungen eine
gemeinsame Basis für unsere Gemeindearbeit. Unsere Predigten orientieren
sich weiter an Schwerpunkten, die in den Grundüberzeugungen ausgeführt
sind.
Neu Hinzukommende können sich leicht orientieren,
welches Selbstverständnis wir in der Gemeinde haben und auf was sie
sich einlassen. Leute, die wir zur Mitarbeit gewinnen wollen, haben mit
den Grundüberzeugungen eine konkrete Handhabe, in welcher Perspektive
wir ihre Mitarbeit sehen. Verstärkt werden die Grundüberzeugungen
an Freunde und Bekannte weitergegeben, die sich über die Gemeinde
informieren wollen und vielleicht Ähnliches in ihrer Gemeinde vorhaben.
Ich möchte jede Gemeinde ermutigen, sich
auf diesen - anstrengenden - Weg zu begeben. Es ist nicht leicht, mit unterschiedlichen
Vorstellungen und Vorurteilen zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen.
Doch es zeigen sich wichtige Punkte, an denen Gesprächsbedarf ist
- wer weiß, ob wir sie ohne diesen Prozess jemals miteinander angegangen
wären. Danken möchte ich an dieser Stelle besonders Hartmut Kraft,
der uns tatkräftig und mit dem notwendigen Blick von außen begleitet
hat und es weiter tut.
Literatur, die uns im Vorfeld geholfen hat:
Ernst-Georg Gäde, Claudia Mennen, Gemeinde
leiten - aber wie? Grünewald-Verlag
Cornelia Trick
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